Vom Wert des Honigs

Sichtbar, wie wertvoll Honig ist, wird es erst bei ganzheitlicher Betrachtung der Leistung von Bienen.

Honig ist ein kostbares Produkt – flüssiges Gold. Bis ein Glas mit dieser Kostbarkeit gefüllt ist, muss viel Arbeit aufgewendet werden …

… von der Biene:

Für ein 500g Glas müssen Bienen 75.000.000 Blüten besuchen um Nektar zu sammeln. Sie legen dabei  ca. 100.000 km Flugkilometer zurück, was 2,5 Erdumrundungen entspricht. Im Stock wird der Nektar von anderen Bienen mit Enzymen vermischt , getrocknet , eingelagert und mit einem Wachsdeckel verschlossen.

… vom Imker:

Der Imker muss dafür sorgen, dass die Bienen ein sauberes Zuhause (Beute) haben, gegen Schädlinge und Krankheiten geschützt bzw. behandelt werden und genug Nahrung finden.  Während der Schwarmzeit müssen die Völker ständig beobachtet werden, damit sie sich nicht mit dem bisher bereits gesammelten Honig auf und davon machen. Für die Honigernte werden einen Tag vor der Ernte  Bienen schonend Bienenfluchten eingesetzt, damit die Bienen bei der Ernte nicht auf den Honigwaben sitzen und abgekehrt werden müssen. Die Honigwaben werden eingesammelt und zum Schleuderraum gebracht. Dieser ist vorher gründlich gereinigt worden, um die Hygieneanforderungen an die Produktion eines Lebensmittels zu erfüllen. Die Waben werden von den Wachsdeckeln befreit und anschließend geschleudert. Der Honig läuft über Siebe in einen Behälter. Nach ein paar Tagen haben sich kleinste Wachsreste an der Oberfläche abgesetzt und können entfernt werden. Schnell kristallisierende Honige (wie z. B. von Obstblüte oder Raps) werden ein paar Tage lang gerührt, damit die Kristalle sehr fein bleiben und der Honig eine cremige Konsistenz bekommt. Danach kann der Honig in vorbereitete Gläser oder Aufbewahrungsbehälter abgefüllt werden. Die Gläser erhalten ein Etikett, auf dem auch Sorte und Mindesthaltbarkeitsdatum vermerkt sind. Nicht zu vergessen, dass alles – von der Beute über die Wabenrähmchen, Schleuder, Siebe bis zum Schleuderraum  – auch gereinigt werden muss.

Deutscher Honig hat einen guten Ruf. Dafür sorgen das deutsche Lebensmittelrecht und die Honigverordnung, die besondere Qualitätsanforderungen an die  Produktion dieses Lebensmittels stellen. Der Deutsche Imkerbund hat sogar noch schärfere Anforderungen, die auch mit einer Marktkontrolle überprüft werden.

Die Nachfrage nach deutschem Honig übertrifft das Angebot bei weitem. Im Jahr 2018 wurden lt. D.I.B  25 Mio. Tonnen Honig in Deutschland produziert, das sind ca. 300 g pro Kopf der Bevölkerung. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei  1100 g, was nur durch den Import von ausländischem Honig ermöglicht wurde.

Bienen tragen mit ihrer Bestäubungsleistung zu qualitativ und quantitativ (ca. 80 %) höheren Erträgen in der Landwirtschaft bei. Der Wert wird in Deutschland mit rund 2 Milliarden € beziffert.

Sie leisten auch aktiven Naturschutz, indem sie beim Sammeln von Pollen und Nektar eine Vielzahl von Pflanzen bestäuben. So helfen sie, die Artenvielfalt  von rund 800 heimischen Nutz- und Wildpflanzen zu erhalten und leisten einen wichtigen Beitrag für einen ausgewogenen Naturkreislauf. Mit ihrer Bestäubungsleistung sichern Honigbienen die Nahrungsgrundlage vieler Lebewesen wie z. B. Vögel und Kleinsäuger. Durch Ausscheiden der Samen tragen diese zur Vermehrung von Pflanzen bei, die wiederum späteren Bienengenerationen und anderen Insekten als Nahrung dienen.

Selbst wenn sie nicht mehr leben, dient ihr Körper als Nahrung für andere Tiere. In der Hauptsaison kommen so alle 5 Tage ca. 1 kg zusammen.

Diese Wertschätzung sollte sich auch im Honig-Preis widerspiegeln.

 

Quellen:

http://www.bee-careful.com/de/initiative/wie-weit-fliegt-ein-bienenvolk-fuer-ein-glas-honig/

https://deutscherimkerbund.de/163-Bienen_Bestaeubung_Zahlen_die_zaehlen

https://www.agrarzeitung.de/karriere/karriere-nachrichten/analyse-bienen-bringen-volkswirtschaftlichen-nutzen-81503